Auf die Barrikaden

Der Rheinland-Pfälzische Landtag hat am Mittwoch gegen die Stimmen der CDU und FDP das regionale Raucherdiskriminierungsgesetz verabschiedet. Aus Angst vor ihren eigenen Wählern hat die alleinregierende SPD sich allerdings nicht getraut, den Unsinn noch vor der Faschingszeit in Kraft treten zu lassen.

Kurz zuvor bin ich im Rahmen der Unterschriftenaktion von Netzwerk-Rauchen eine Woche durch die Wormser Gastronomie getingelt und habe ca. 1.000 Unterschriften von Gästen und Wirten gesammelt und natürlich die Stimmung in der Stadt eingefangen. Die ist nicht gut (hallo SPD!). Die Zwangsregelung wird beinah zu 100 % abgelehnt und die Meisten machen sich grosse Sorgen um ihre Zukunft; wie die Erfahrungen im Ausland zeigen: völlig zu Recht.

Was weiter geschah stand am Donnerstag in der Wormser Zeitung:

 

Raucher in letzter Minute auf Barrikaden

Initiative fordert Wahlfreiheit in der Gastronomie und erhält von Wirten viel Zuspruch

Vom 27.09.2007

Gestern hat der Landtag das Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden und Gaststätten beschlossen. Im Vorfeld versuchten bekennende Raucher wie Michael Löb, die Entscheidung zu beeinflussen. Der Wormser sammelte 1000 Unterschriften, die er nach Mainz schickte.


Von

Roland Keth

Eine Woche sei er allein in Worms umhergelaufen, habe in Kneipen und Gaststätten Unterschriftenlisten ausgelegt. "Mehr Zeit hatte ich leider nicht. 99 Prozent der Wirte haben auf meine Initiative sehr positiv reagiert. Sie haben meine Listen sogar kopiert und weiter verteilt", berichtet der 41-Jährige. Verwunderlich sei diese Unterstützung nicht, meint der als freier Autor und Ghostwriter arbeitende Glimmstängel-Liebhaber. "Gerade die Einraumkneipen sehen sich vor dem Aus."

Die 1000 Unterschriften, die er eingesammelt hat, schickte Michael Löb an den SPD-Landtagsabgeordneten Jens Guth. Die Namenszüge stehen unter folgendem Text: "Lassen Sie den Wirten die Wahl, Ihre Gaststätte als Raucher- oder Nichtraucherlokal zu kennzeichnen oder getrennte Zonen auszuweisen. Lassen Sie den Gästen die freie Entscheidung, ob sie in eine Kneipe, ein Restaurant oder eine Disco gehen möchten, wo geraucht werden darf."

Die Menschen in Worms seien für Freiheit und Gemütlichkeit, glaubt Michael Löb und sieht sich in seinem Kampf unterstützt vom Bundesvorsitzenden des Netzwerk Rauchens, Christoph Lövenich. Löb wiederum ist Sprecher des gerade erst vor zwei Wochen gegründeten Regionalverbandes Rhein-Neckar, dem derzeit zehn Personen angehören.

Nach eigenen Angaben handelt es sich bei diesem Netzwerk um eine "überparteiliche und von der Tabakindustrie und anderen wirtschaftlichen Interessen unabhängige" Organisation. "Unser Netzwerk hat in zahlreichen Analysen und Untersuchungen das Hauptargument der Anti-Raucher, die vermeintliche Gefährdung durch Passivrauch, als Interessen geleitete Irreführung entlarvt, die nicht auf Fakten beruht. Das Rauchverbotsgesetz in Rheinland-Pfalz lehnen wir ab", sagt Löb und sieht sich dabei in voller Übereinstimmung mit seinem Bundesverband.

Viele Menschen würden durch die geplante Regulierung in ihrer Handlungsfreiheit erheblich eingeschränkt. Außerdem lasse die Entwicklung der Gastronomie in Baden-Württemberg nach Einführung des Rauchverbots nichts Gutes erwarten, argumentiert Löb. "Sie müssen abends mal nach Mannheim fahren. Das ist eine tote Stadt geworden." Die Besucherzahlen in den Gastronomiebetrieben sind seiner Einschätzung nach massiv in den Keller gerauscht. Gefreut hat ihn, dass er Unterstützung von unerwarteter Seite bekam. "Ich schätze, dass jede zehnte Unterschrift von einem Nichtraucher stammt."

Weitere Infos unter http://freiraucher.myblog.de. und "www.netzwerk-rauchen.de".

 

In der Printausgabe findet sich noch folgende Ergänzung:

Die Reaktion

SPD-Landtagsabgeordneter Jens Guth hat sich bei seinem Abstimmungsverhalten nicht von Michael Löb beeinflussen lassen. " Ich stehe hundertprozentig hinter dem Nichtrauchergesetz. Es geht hier um den Schutz von Nichtrauchern und nicht um die Diskriminierung der Raucher."

 

Wenn sich Herr Guth da mal nicht ein Eigentor geschossen hat.

 

 

 
 

28.9.07 00:31

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bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


stefan (10.10.07 13:06)
Naja, 85% der Wirte und Gäste sind für das Gesetz, warm sollte die Politik dann kein Rauchverbot erlassen und damit gegen Angestellte, Wirte und Gäste stimmen, und sich nur wegen einiger Rauchfanatiker ein Eigentor schießen?

Gut das die Politik sich hier nicht von der Intoleranz einiger RAucher hat anstecken lassen!


stefan (10.10.07 13:10)
Zusammengefasst: Einen Gesinnigungsterrorismus wie ihn die Freiraucher wollen, ist abzulehnen. Denn das Verbannen von 75% der Gäste würde für Diskotheken und Kneipen der Ruin bedeuten weil sie von einigen Raucherspinnern allein nicht leben können.

Oder zahlt der Wirt dem Lieferant mit Rauch, der noch in seiner Kneipe steht?


rosmarin / Website (14.10.07 21:46)
ah endlich mal ein solcher blog !
suche gerade nach gastrotips, wo auch ein raucher sich noch wohl fühlen darf.