Das Märchen von der bösen Tabaklobby

Es waren einmal heimtückische Konzerne, die die wehrlosen Menschen an der Zigarette des Bösen haben ziehen lassen. Und so lebten diese krank und suchtgesteuert fort, und zwangsberauchten ihre schutzlosen Mitmenschen bis ans Ende ihrer Tage. So etwa klingt es, wenn die Gebrüder Grimmig von der Antiraucherfraktion ihre Schauergeschichten erzählen.

Und das kommt nicht von ungefähr: Als die puritanischen Prohibitionisten ihre Mission gegen den Tabak vor 30 Jahren intensiviert haben, musste erst mal ein Feindbild gefunden werden, das der Einteilung des Spielfelds in Gut und Böse, in Gott und Teufel gerecht werden konnte.
Und wenn man für sich selbst schon mal die Rolle des Helden reserviert hatte, brauchte man eben einen Schurken. Daher hieß es damals ganz offen: Wir müssen die Tabakindustrie dämonisieren, sie als gewissenlos,manipulatorisch und verbrecherisch darstellen, in umso gleißenderem Licht erscheinen wir selbst als deren angebliche Feinde.

Dass ein solches Weltbild quasi-religiösen Eiferer gut ansteht, dürfte klar sein. Aber dass es gelang, diese primitive Sicht der Dinge gleichsam im gesellschaftlichen Mainstream zu verankern, gibt Anlass zur Sorge.

Woran krankt die herrschende Mär?

1. Das Rauchen ist in der „Alten Welt“ seit einem halben Jahrtausend tradiert, auf dem amerikanischen Kontinent noch viel länger. Es hat sich über viele Jahrhunderte zunehmend popularisiert, ohne dass daran irgendwelche Konzerne heutigen Zuschnitts mit Marketing, Produktwerbung oder anderen Strategien ihren Anteil hatten. Diese sind vielmehr erst durch zigmillionenfache Nachfrage entstanden, ähnlich wie z.B. moderne Nahrungsmittelkonzerne, die auch Ergebnis und nicht Ursache von
Lebensmittelkonsum sind. Übrigens wurde das Rauchen mit der gleichen Inbrunst wie heute schon vor hunderten von Jahren bekämpft, da war an die heutigen Großunternehmen noch gar nicht zu denken.

2. Tabakkonzerne arbeiten genau wie alle anderen Konzerne: Reklame für ihre Produkte, auch zielgruppengerecht, politisches Lobbying, Forschungsfinanzierung. Dass sie auf irgendeinem dieser Gebiete negativ hervorstächen gegenüber anderen Branchen, ist nicht der Fall. Von der Pharmaindustrie, den Hauptfinanziers der Anti-Raucher, mal
ganz zu schweigen. Und dass durch Zigarettenwerbung mehr Leute rauchen würden ist so spekulativ wie eine Zunahme der Geburtenrate durch Babywindelwerbung oder mehr Erkältungen aufgrund von Reklamespots für Papiertaschentücher.

3. Der Tabakbereich besteht in der Breite gar nicht aus einigen wenigen Konzernen. Zigarre und Pfeife sind stark mittelständisch geprägt, ebenso der Handel, vom regionalen Automatenaufsteller bis zum kleinen Fachhändler an der Ecke. Von den Gefahren der Anti-Raucher-Hetze sind vor allem diese Gruppen betroffen, nicht die Global Player.

4. Diese so vielfältige Tabakwirtschaft ist kein einheitlicher Block, der eine geschlossene Front bilden könnte. Auch in der Rauchverbotsdebatte erkennt man die Interessensunterschiede zwischen z.B. kleinen Mittelständler und Weltkonzernen sehr deutlich. Die aktuellen Kämpfe zwischen den Branchenriesen, in der Auflösung des VdC gipfelnd, erstaunen Eingeweihte ebenfalls nicht.

5. Der „War on Tobacco“ richtet sich nicht gegen Großunternehmen, sondern gegen den einzelnen Raucher und die einzelne Raucherin. Wenn ein religiöser Fanatiker in den USA einen Abtreibungsarzt erschießt, dann nicht etwa deshalb, weil er etwas gegen Mediziner hätte, sondern weil er Abtreibung hasst. Wenn ebensolche Fantiker einen Kreuzzug gegen den Tabak starten, dann nicht deshalb, weil sie etwas Konzerne hätten, sondern weil sie das Rauchen hassen. Es ist der Lebensstil, es ist die Genussorientierung des Individuums, die auf der Abschussliste stehen.

Der Erfolg eines Projekts hängt eng mit der Schwäche seiner Gegner zusammen. Deshalb hat man das Trugbild Tabakmonster erzeugt, und es erfolgreich zum Schämen in die Ecke gestellt. Dreist wie man ist, pflegt man eifrig weiter die Schimäre der „mächtigen Tabakloby“.


Höchste Zeit, die Öffentlichkeit aus diesem Märchenschlaf zu erwecken.

Christoph Lövenich
Bundesvorsitzender Netzwerk Rauchen
Dieser Text erschien im Juli 2007 als Editorial bei Smokersnews (www.smokesnews.de).

 

 

18.9.07 23:36

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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Boeser Bodo / Website (19.9.07 00:07)
Netter Artikel, starkes Weblog, ich verlink Dich mal.
Aber eines hast du wohl übersehen, es waren in der Geschichte des Tabaks in Europa immer die Despoten, die das Rauchen verbieten wollten. In Deutschland war es zuletzt - na wer wohl - Hitler.
In diesem Sinne: "Heil Bätzing!"
http://boeserbodo.myblog.de/boeserbodo/art/103843364/Das_ist_sie_


Fadir (9.3.10 22:55)
Raucher werden diskriminert