Freiraucher

Freie Bürger brauchen keine Obrigkeit – auch nicht in der Kneipe


Ganz richtig, wie die Überschrift bereits andeutet: es geht hier ums Rauchen. Dieser Blog entsteht aus aktuellem Anlass – dem drohenden Rauchverbot in der Gastronomie und anderen öffentlichen Einrichtungen – kurz, um das so sehr in Mode gekommene Raucherbashing. Eingeleitet durch ebenso geschäftstüchtige wie geldgierige amerikanische Anwälte hat das Ergebnis diese beispiellosen Propagandafeldzuges jetzt auch uns erreicht und ist dabei unmittelbar das Leben einer Vielzahl unserer Bürger dramatisch zu verändern.


Die Wortschöpfung „Freiraucher“ bringt es zu Ausdruck: ich bin dagegen. Strikt dagegen. Ganz entschieden und kompromisslos dagegen. Halt! Bevor jetzt das Lamento wegen Nichtraucherschutz, Passivrauchen und der allseits bekannten Argumente losgeht. Meine Opposition richtet sich keinesfalls gegen Nichtraucher, die dies auch in der Öffentlichkeit gerne bleiben möchten. Dieses Anliegen ist überaus berechtigt und fern der Kritik.


Wie passt das zusammen? Gar nicht, wie viele meinen. Ich denke schon.

Betrachten wir uns die aktuelle Diskussion. Die Fronten haben sich mittlerweile (fast) geschlossen, ein generelles Rauchverbot wird angestrebt und droht bereits in naher Zukunft. Die Hoffnung auf einen deutschen Kompromiss, der, typischerweise etwas umständlich, die Interessen ausgleicht und beiden Gruppen eine ungestörte Teilnahme am öffentlichen Leben ermöglicht, scheint dahin. Das ist aus verschiedenen Gründen bedauerlich.

Zum einen: es gibt keinen vernünftigen Grund, warum nicht zumindest in der Gastronomie Raucher- und Nichtraucherbereiche eingerichtet werden könnten. (Ein Rauchverbot in öffentlichen Einrichtungen hat nicht annähernd die gleiche Bedeutung wie in der Gastronomie; schließlich sucht niemand freiwillig, regelmäßig, für längere Zeit oder gar zum Vergnügen solche Orte auf).

Ein bedeutender Anteil der gastronomischen Einrichtungen hat die erforderlichen Räumlichkeiten getrennte Gasträume bereit zu stellen. Diese nahe liegende Lösung wird verworfen, da einige Hardliner gegen den Willen eines bedeutenden Bürgeranteils ihre zweifelhafte Version von Weltverbesserung durchboxen wollen. An diese Leute: nicht alles was unter einem Aspekt vielleicht wünschenswert wäre, hier etwa der Gesundheitsschutz, wird von den Bürgern auch gewünscht! Dafür hat man das besonders in Deutschland bisher sehr geschätzte und bewährte Instrument des Kompromisses. Dies nur zur Erinnerung!


Bekanntermaßen gibt es Gaststätten, die einfach zu klein sind, um eine sinnvolle Aufteilung für Raucher und Nichtraucher anzubieten. Es nützt natürlich niemandem, wenn man ein paar Tische als Nichtraucherzone erklärt und diese Gäste trotzdem im Qualm sitzen. Das ist ein zweifellos fauler Kompromiss, der niemandem nutzt und den ich ebenfalls nicht befürworte.

Da hatte jemand die interessante Idee, es doch den Gastwirten zu überlassen, ob sie sich zu einem Raucherlokal erklären wollen. Halt, Moment mal! Es sollten tatsächlich die Leute, die am besten Wissen, wie sich ihr Publikum zusammensetzt und was sie sinnvollerweise unternehmen (auch Gastwirte sind Unternehmer, falls das jemandem nicht klar war!), selbst entscheiden, wie sie ihr Geschäft führen? Nicht in diesem Land, wie es sich leider abzeichnet! In Belgien hat man sich für eine solche Regelung entschieden und dort funktioniert das ganz gut.


Absurd ist das Gegenargument der Hardliner: diese Regelung würde zu Wettbewerbsverzerrungen führen! Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! Ein Wirt entscheidet sich also, sein Lokal als Raucherlokal zu führen, da er keinen Nichtraucherbereich abtrennen kann, und sein Laden läuft. Die Konkurrenz um die Ecke tut das Gegenteil, der Laden läuft schlecht. Was ist die Folge hier in Deutschland: wir schützen den Wirt, der die schlechtere unternehmerische Entscheidung getroffen hat vor seinem Konkurrenten, der den Markt richtig eingeschätzt hat. Das ist so hirnverbrannt, dass es schmerzt!


Hier zeichnet sich ein Kernproblem dieser gesamten Diskussion ab: Was will der Bürger, bzw. Kunde den wirklich? Gibt es tatsächlich eine Mehrheit, die für ein Rauchverbot votiert oder hat man diese so genannte Mehrheit nur herbeigeredet? Ich vermute sehr, das die Mehrheit der Bürger, die Gastronomiebetriebe aufsuchen sich bezüglich des Raucher- und Nichtraucheranteils ganz anders zusammensetzt als die Gesamtbevölkerung. Überspitzt formuliert: die Spassbremsen und Gutmenschen, die uns mit dem Rauchverbot beglücken wollen, sind vermutlich nur selten in einem Lokal anzutreffen. Wäre es anders, hätte sich wohl doch er eine oder andere Wirt schon lange zu einem Nichtraucherlokal erklärt? Gibt es so was überhaupt? Ja, gibt es. Beispielsweise kenne ich einige Naturkostrestaurants und vegetarische Restaurants, in denen nicht geraucht werden darf. Laufen die gut? Offensichtlich ja, die meisten existieren schon seit Jahren. Waren die Betreiber clever und haben ihre Zielgruppe richtig ausgesucht und eingeschätzt? Oh ja, haben sie. Was schließen wir daraus? Gäbe es einen Markt für Nichtraucherlokale, dann gäbe es auch Anbieter. Oder bezweifelt irgendwer, dass ausgerechnet in dieser Branche der Markt nicht funktioniert und vom Gesetzgeber geregelt werden muß?


Leider läuft die politische Maschinerie bereits und ist wohl nicht mehr zu stoppen; irgendeine Entscheidung werden unsere Politiker treffen müssen, da sie jetzt nicht mehr zurück können. Ich hoffe auf eine verträgliche Lösung, die beide Seiten zufrieden stellt.


Eine radikale Lösung wäre, wie überhaupt alle radikalen Lösungen, eine Verschlimmerung der Situation. Wieder einmal schriebe man freien Bürger vor, was sie zu tun oder zu lassen haben. Eine Rauchverbot in der Gastronomie hat die gleiche Wirkung wie ein Lokalverbot für Raucher! Das kann keine angemessene Regelung in einem freien Land sein!


Was können wir noch tun? Ich hoffe es ist noch nicht zu spät, aber wer hätte ahnen können, das ausgerechnet in dieser Sache eine kompromisslose Regelung herauskommt, etwas das sonst in diesem Land niemals geschieht.


Ich habe ein kleines Logo entworfen, dass jedermann gerne verwenden darf (stelle ich in den nächsten Tagen online), der keine Lust hat, sich sein Leben von einer kleinen Minderheit vorschreiben zu lassen. Wir haben schon viel zu viele Freiheiten geopfert – es ist Zeit dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten. Andernfalls sehe ich uns in zwanzig Jahren in einem (der wenigen noch vorhandenen) Restaurants rauchfrei lauwarmes Wasser trinken, während wir fettarme, zuckerfreie vegetarische Mahlzeiten zu uns nehmen, weil alles andere inzwischen verboten wurde. Bis dahin hat vermutlich auch jeder eine Überwachungskamera in seiner Wohnung hängen, aber das ist ein Thema für sich.


Also, mein Anliegen: sagt Stopp zu einer immer detaillierten Regelung auch der privatesten Lebensbereiche.

Schreibt Mails an euren Abgeordneten, an die zuständigen Minister, an die Bundeskanzlerin. Sagt ihnen: freie Bürger können ihre privaten Angelegenheiten selbst regeln!

Vielleicht kann es auch nicht schaden, bei der Tabakindustrie um Unterstützung zu bitten, die Lobbyarbeit hatte ja leider zum Schluss nicht den gewünschten Erfolg.


Ich bin gespannt auf Reaktionen, besonders natürlich zustimmende. Vielleicht kann noch eine Initiative gestartet werden, die das schlimmste verhindert. Ebenso willkommen sind gute Ideen, was man noch unternehmen könnte. Nicht willkommen sind die bekannten Ausführungen zu Gesundheitsschutz; ich habe hoffentlich deutlich gemacht, dass ich den Nichtraucherschutz ernst nehme und für eine für beide Seiten akzeptablen Lösung einstehe!

Eine französische Lösung, mit der man ja zu Not auch leben könnte, wird in Deutschland wohl nicht zu erwarten sein. Unsere französischen Nachbarn lassen sich nicht so leicht wie wir vorschreiben, was sie zu tun haben. Dort wird das Verbot schlicht ignoriert, jedenfalls in vielen Bereichen. Bei uns ist erfahrungsgemäß eher das Gegenteil zu erwarten – der weit verbreiteten Blockwartmentalität sei dank.


Als nächsten Schritt werde ich mir darüber Gedanken machen, wie im Falle eines Totalverbots sinnvoll und legal Widerstand geleistet werden kann. Aber das wird hoffentlich kein Thema!


Der Freiraucher


27.2.07 16:11

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Connî / Website (27.2.07 16:32)
Vielen Dank dafür!

Es wurde wirklich höchste Zeit, dass es mal jemand ausspricht; und zwar schön sachlich, kurz & knapp, argumentativ, schlüssig, konstruktiv und im richtigen Ton.
Genau solche Artikel brauchen wir jetzt, um zu beweisen, dass Raucher keine dumme Minderheit sind.
Eine liberale und für beide Seiten gerechte und akzeptable Lösung muss her, und diese Vorschläge sollte man den Politikern mal vor Augen halten.

Wie schon Sandro Pertini sagte: "Toleranz kannman am besten von den Rauchern lernen - noch nie hat sich ein Raucher über einen Nichtraucher beschwert."

Diesen Blog habe ich schon an alle befreundeten Raucher verlinkt - wir halten die Stellung!

Und wenn doch alles zwecklos war - eine kleine aufheiternde Buchempfehlung: Endlich Raucher (Oliver Kuhn)


martin (28.2.07 10:27)
Hugh, der lustfeindliche militante Rauchfanatiker hat gesprochen!

Wie wäre es die Entscheidung übers Rauchen den Menschen zu überlassen, und nicht irgendwelchen rauchenden Bevormundern?

Eine liberale und gerechte Lösung für alle muss her: Rauchverbot nach dem Modell Italiens. Raucher können dort rauchen, Nichtraucher müssen nicht mitrauchen, absolut fair also. Und jeder Wirt der genug Platz hat kann einen abgetrennten, unbedienten Rauchraum einrichten. Und die Raucher die sich hier so echauffieren: in Italien haben gerade mal 4% der Lokale ein Rauchbereich eingerichtet, es lohnt sich halt einfach nicht weil die Raucher eh bei den NR und rauchfrei sitzen wollen!

Und ein Atemverbot ist mit Sicherheit nicht liberal! Und wem es nicht passt der soll sich nicht echauffieren sondern einfach zuHause bleiben, denn:

es ist (außer den Angestellten) niemand gezwungen in eine rauchfreie Kneipe zu gehen!! Anstatt hier andere bevormunden und massiv in ihrer Freiheit einschränken zu wollen, sollte man lieber Toleranz üben, anstatt ständig nörgeln und borniert den Gästen den Spaß in der Kneipe vertreiben zu wollen.

Nochmal: wem die Rauchfreiheit nach dem Rauchverbot nicht passt soll einfach Rauchräume nachfragen oder die Klappe halten. Spaßverderber brauchen wir nun wirklich nicht. Die für beide gerechte Lösung (Rauchverbot an nicht privaten Orten wie Ämter, Bahnhöfe, Kneipen, Bars) ist fair, die Ausnahme für unbediente,abgetrennte Räume bei genug Platz ebenso.

Nochmal: JEDER SOLL SELBST ENTSCHEIDEN KÖNNEN, genau das wird mit dem Rauchverbot garantiert, da ja jeder Raucher weiterrauchen kann und lediglich sichergestellt das öffentliche Kneipen rauchfrei werden und kein Gast oder Angestellter dort in ihrer Freiheit eingeschränkt und gesundheitlich gefährdet wird. Ich weiß also garnicht was die Raucher haben - zumal sie ja der Verursacher des Gesetzes sind.

Also nicht so kleinkariert liebe Raucher, entweder draussen rauchen, oder die Klappe halten. Bevormundung anderer ist nämlich keine Freiheit!


martin (28.2.07 13:41)
... und natürlich gibts in Kneipen zu70% Raucher - ist ja logisch, NR sind ja dort unerwünscht. Und weil die meisten Wirte selber rauchen ist doch logisch dass sie kein Interesse am Mehrumsatz durch NR haben. Fakt ist doch das jeder Wirt der Welt, wenn 30 Leute Nichtraucher sind und 1 Gast rauchen will, sein Lokal zum Raucherlokal erklärt...

Und so sorgen ein paar Hardcoreraucher dafür das eben nicht im Sinne der Gäste entschieden wird.


martin (28.2.07 15:22)
"freie Bürger können ihre privaten Angelegenheiten selbst regeln!"

Eben! Deswegen betrifft das Rauchverbot ja nur nicht-private Orte wie Kneipen, Büros und Ämter!

Was der Raucher zuHause oder draussen macht ist doch seine Sache! Also etwas zu fordern was mit dem Gesetz bereits bewerkstelligt wird ist schon eigenartig!


benpal (1.3.07 13:31)
Oh je, martin, der Zorro der fanatischen Antiraucher ist auch schon hier!

Und er meint, Kneipen seien nicht-private Einrichtungen. Sicher, nur das Geschäftsrisiko Risiko ist privat, alles andere gehört dem Volk.

Aber es ist schon klar: wenn man die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den angeblichen Gefahren des Passivrauchs so elegant falsch interpretieren kann, dann soll es doch nicht an einer kleinlichen Interpretation der Verfassung und der Grundrechte happern.
Wir brauchen ein Gesetz, dass es erlaubt, Gesetze zu erlassen, wenn sie notwendig sind. Irgendjemand wird sich immer finden, der die Notwendigkeit beglaubigt.